Seit einiger Zeit ist die Kaufsucht eine nachgewiesene und anerkannte Krankheit. Natürlich hat sie unterschiedlich schwere Ausprägungen, doch bei allen Fällen ist eines gleich: die Menschen kaufen Dinge, die sie nicht brauchen und empfinden den Einkauf als etwas Befriedigendes, das ihnen ein gutes und entspanntes Gefühl verschafft. Diese Gefühl hält aber nur für eine Weile an, danach muss der Kaufsüchtige wieder „nachlegen“.

Kaufsüchtige können zwei Dinge nicht. Sie gehen niemals ohne Geld oder Kreditkarte aus dem Haus und sie kommen nur selten zurück, ohne etwas gekauft zu haben. Die Vorstellung, man können bummeln gehen ohne etwas zu kaufen oder spazieren gehen, ohne am nächsten Kiosk wenigstens ein Eis zu kaufen, erscheint ihnen utopisch. Gerade diese Verhaltensweisen sind ein Hinweis für eine leichte oder schwere Kaufsucht.  Wer von sich selber wissen will, ob er zur Gruppe der Kaufsüchtigen gehört, der sollte eben dies mal ausprobieren. Einfach mal ohne Geld oder Kreditkarte das Haus verlassen und sehen, wie man sich fühlt, ist ein erster Anhaltspunkt. Wem hier der kalte Schweiß auf der Stirn steht oder wer Minderwertigkeitsgefühle entwickelt, der hat ganz sicher eine Form der Kaufsucht. Der gleiche Test funktioniert beim Besuch des örtlichen Shoppingcenters. Können Sie durch die Läden bummeln ohne der Versuchung zu erliegen etwas zu kaufen? Fällt es ihnen schwer oder notieren sich sich geanklich schon eine Einkaufsliste für den nächsten Besuch, wenn Sie wieder Ihr Geld dabei haben?

Sollte dies der Fall sein, dann sollten Sie anfangen genau zu überprüfen, wie stark ausgeprägt Ihre Kaufsucht ist und ob es eine Möglichkeit gibt, diese abzustellen. Wer von sich das Gefühl hat, dass er viele Dinge kauft, ohne dass er sie braucht, der sollte anfangen zu üben. Er sollte mit einer vollen Brieftasche ins Shopping-Center gehen, sich dort eine Weile umsehen und ohne etwas zu kaufen wieder nach Hause zurückkehren. Nach einer entsprechenden Anzahl von Wiederholungen gewöhnt man sich daran, nicht zu kaufen und keine „Belohnung“ zu bekommen. Es wird mit der Zeit ganz selbstverständlich, dass man das Haus auch mal nur mit einen paar Euro in der Tasche verlässt oder sein Geld sogar ganz vergisst. Das Gehirn lernt, dass dieses Verhalten unproblematisch ist, es gewöhnt sich daran und wird nach einer Weile andere Signale aussenden.  Hieß das Signal vorher „ich muss kaufen, ich brauche das unbedingt“, so wird durch Training die Botschaft verändert. Sie lautet jetzt „brauche ich diesen Gegenstand wirklich oder kann ich mir mit dem gesparten Geld nicht später etwas anderes kaufen, was ich dringender benötige oder was mir mehr Freude bereiten würde? Der ehemalige Trieb wird ersetzt durch ein rationales Nachdenken, dass uns in unserer Entscheidung frei lässt.