Wer bei der Bank keinen Kredit bekommt aber trotzdem dringend Bargeld benötigt, der kann zum Pfandleihhaus gehen. Dort erhält man gegen die Hinterlegung eines Pfands Bargeld. Es ist in der Regel schnell und unkompliziert, da das Pfandhaus den Wert des Gegenstandes nur grob schätzt und dann sofort einen allerdings nur kleinen Teil des tatsächlichen Wertes ausbezahlt. Die Summen liegen im Bereich zwischen 20 und 50% des tatsächlichen Wertes.

Die Vertragslaufzeit kann bis zu drei Monaten dauern, danach muss das hinterlegte Pfand wieder ausgelöst und die Zinsen und Gebühren bezahlt worden sein. Nach einem gesetzlich festgelegten Monat der Kulanz ist das Pfandleihhaus berechtigt bzw nach 10 Monaten sogar verpflichtet, den verpfändeten Gegenstand zur Versteigerung zu geben. Wird bei dieser Versteigerung ein Preis erzielt, der nach Abzug aller Kosten über den Forderungen des Pfandleiher liegt, so ist dieser verpflichtet, dem Kunden die Differenz zu erstatten. Wird bei der Auktion kein Gebot erzielt, darf das Pfandhaus den Gegenstand anschließend verkaufen.

Pfandhäuser erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit. Für sie sind wirtschaftliche schwierige Zeiten die guten Geschäftsjahre, in denen oft auch Kunden kommen, die man sonst dort nicht vermuten würde. Zur Zeit der Bankenkrise hat man so manchen ehemals wohlhabenden Herrn dabei gesehen, wie er seine Rolex hinterlegt hat. Im Bankenviertel von London wurde in dieser Zeit von zwei pfiffigen jungen Unternehmern ein Pfandhaus eröffnet, dessen Hintereingang sich zunehmender Beliebtheit bei Managern und Bankangestellten erfreut.

Zinsen und Gebühren in Pfandhäusern sind in der Regel moderat, den Ruf eines Blutsaugers, der von der Not anderer Menschen lebt, haben sich Pfandhäuser zu Unrecht erworben. Sie unterliegen strengen Regeln und nur weil sie das Kundengeld nicht für goldene Paläste ausgeben, heißt es noch nicht, dass sie unseriös sind. Der Pfandleiher ist in der Regel ein ehrwürdiger Beruf, dessen Ausübung nicht selten von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Viele ärmere Menschen überbrücken durch den Gang zum Pfandleiher die Wartezeit bis zum nächsten Zahltag oder bis zur nächsten Überweisung ihrer Sozialhilfe. Sie hätten sonst in dieser Zeit schlicht nichts zu essen. Ob man nun von Ausbeutung in der Not oder von Hilfe in der Not sprechen will, dass kommt wohl auf den persönlichen Standpunkt an. Während bei Banken aber auf nicht genehmigte Überziehungen Zinsen von teilweise mehr als 18% verlangt werden, kann sich der Pfandleiher so etwas nicht erlauben.

Wer tatsächlich in Not geraten ist, der sollte sich nicht scheuen, ein Pfandhaus aufzusuchen.